Gedanken zur Lyrik

Vorwort aus 'Im Zentrum der Stille ein Ich'

S. Zalad 2016


 

Mascha LaReine begann in reiferem Alter Gedichte und Aphorismen zu entwerfen. Dieser Drang entsprang dem Bedürfnis, der Welt Einsichten aus ihren Lebenserfahrungen und ihrem Wirken als Ärztin und Psychotherapeutin mitzuteilen. Ihr Blickwinkel ist spirituell orientiert, ihr Instrument ist eine knappe, fast karge Sprache und Begrifflichkeit, die sich stark von der üblichen romantisch-blumigen Formensprache vieler Gedichte unterscheiden. Im Fokus steht dabei nicht die erlesene Subjektivität, sondern das Überpersönlich-Überdauernde. So entsprechen ihre Aphorismen mitunter der Einfachheit und Prägnanz philosophischer Axiome wie etwa: “Der Weise muss nichts beweisen”.

Ihre Gedichte enthalten stets einen Anstoss zur Nachdenklichkeit und den Verweis auf eine höhere Ebene. Diese metaphysische Gedanklichkeit und Sinnhaftigkeit bedient sich einfacher Worte des Alltags und verzichtet in der Regel auf Wortneuschöpfungen. Sie versucht nicht einfach eine Stimmung einzufangen, sondern zielt auf einen spirituellen Gehalt hinter dem Bild ab. So zum Beispiel im Gedicht “Juraweide”, wo das Bild der alten Bäume auf etwas Zeitlos-Ewiges weist. Die Verse über die Klimaerwärmung oder jene über das Nebelmeer bedienen sich eines Naturphänomens, um sinnbildlich die Ebene des Erwachens des Menschen darzustellen.

Oft verwendet Mascha LaReine die Eigenart unserer Sprache, in der viele Worte eine doppelte oder sogar mehrfache Bedeutung aufweisen. Dies benützt sie für den Transfer ihrer Botschaften in spielerischer Gegenüberstellung. So auch im Vers über die Verbindung: “Verbunden sein, ich werde verbunden, damit meine Wunden heilen”. Hier wird das Heilen als Prozess erfasst, in dem die Bedeutung des körperlichen Wundverbandes in eine zwischenmenschliche und sogar geistige Verbundenheit mündet.

Es wären aber nicht die Zeilen der Autorin, wenn die Ernsthaftigkeit der Aussagen nicht da und dort durch einen feinen Humor aufgebrochen würde, z.B. “Mobilität als neuer Wahn, früher tat's die Achterbahn“.

Beim Rezitieren entsteht ein besonderer Rhythmus und Klang.